Das Kloster Interlaken
Um das Jahr 1130 baute Freiherr Seliger von Oberhofen
auf einem "Matten" genannten Ort zwischen Thuner- und Brienzersee ein Bethaus
aus Holz, aus dem das Augustinerkloster Interlaken hervorging. Etwa 30 Mönche und
Laienpriester lebten hier nach den strengen Regeln des heiligen Augustins. Im Jahre 1133
nahm Kaiser Lothar III. die Propstei unter seinen Schirm. Hier treffen wir erstmals auf
den Namen "Inter- lacus". 1257 wurde dem Männerkloster ein Frauenkloster
angegliedert. Durch eine aktive Bodenpolitik und durch Schenkungen wurde das Kloster im
Laufe der folgenden 200 Jahre zum grössten Landeigentümer des ganzen Oberlandes. Das
Kloster nahm eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Bödelis ein. Ein besonderes
Verdienst der Mönche war die Urbarisierung des Landes. Im Jahre 1224 wurde das Kloster
dem Schutz der Stadt Bern unterstellt.
Zerfallserscheinungen innerhalb des Klosters und
politische Unruhen führten dazu, dass 1484 das Frauenkloster aufgehoben wurde. Mit der
Reformation verschärfte sich der Konflikt. Die Gotteshausleute (Unter- tanen des
Klosters) hatten sich von der Auflösung der Klosterherrschaft persönliche Nutzen
erfofft. Es zeigte sich aber, dass der Übergang des Klosterbesitzes an die Stadt Bern
ihnen keine Vorteile bringen würde. Bern forderte nämlich von den Gotteshausleuten nach
wie vor Zinsen und Zehnten. Sie erhoben sich gegen Bern und riefen die Unterwaldner zu
Hilfe, die in der Folge das Städtchen Unterseen besetzten. Als die Berner unter Niklaus
Manuel ins Oberland vorrückten, zogen sich die Unterwaldner schleunigst zurück. Von nun
an dienten die Klostergebäudlichkeiten dem bernischen Landvogt als Amtssitz. In der
folgenden Zeit wurde die Klosterkirche zweckentfremdet, diente als Fass- und Wagenscheune
und zerfiel. Erst 1909 wurde auf den Grundmauern des ehemaligen Kirchenschiffes die
protestantische Kirche errichtet. Die Katholiken bauten zur gleichen Zeit ihr Gotteshaus
unmittelbar daneben.
Vom Kloster zum Fremdenkurort
Die Klöster waren im Mittelalter auch Gaststätten
für Pilger und Reisende. Das Klostergasthaus in Inter- laken genoss besonderes Ansehen,
war das Kloster Interlaken in seiner Blütezeit doch das mächtigste und reichste auf
bernischem Boden. Vor der Reformation hatte Bern auf dem Bödeli vier Wirtschaften
bewilligt: eine im Neuhaus, eine im Städtchen Unterseen, eine beim Kloster und eine in
Matten. 1527 liess Bern die Klosterwirtschaft schliessen, doch kümmerte sich niemand um
diesen Beschluss und das Gasthaus erfreute sich weiterhin eines grossen Zuspruchs.
Hatten die Gasthäuser lange Zeit vorwiegend als
Raststätten für Handelsreisende gedient, nahmen sie im 18. Jahrhundert immer mehr
Reisende auf, die zu ihrem Vergnügen oder zur Erweiterung ihres Horizonts auf Reisen
waren. Naturwissenschaftler, Alpinisten, Maler, Musiker und Dichter setzten sich mit der
imposanten Bergwelt auseinander und weckten so das Interesse bei einem breiten Publikum.
Interlaken wurde zu dieser Zeit von so berühmten Leuten wie J. W. von Goethe (1790), Lord
Byron (1816), oder Felix Mendelssohn (1822/1847) besucht.
Als 1805 das erste Unspunnenfest durchgeführt wurde,
gab es in Interlaken (bis 1891 Aarmühle) allerdings erst ein einziges Hotel, das ein
Gastwirtschaftspatent besass. Erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts setzte
der Hotelbau im grossen Stil ein. In diese Zeit fallen auch eine Reihe von wichtigen
öffentlichen Errungenschaften: Gründung der Sekundarschule (1858), Gründung des
Kursaals (1859), Einführung der Gasbeleuchtung (1866), Inbetriebnahme der
Trinkwasserversorgung (1870), Inbetriebnahme der Bödelibahn (1872), Inbetriebnahme des
Elektrizitätswerks (1893), Bau der BOB (1890) und verschiedener Bergbahnen, deren
Krönung die Jungfraubahn bildet (1912). Die Bergbahnen brachten einen enormen Aufschwung
und halfen mit, der Region das heutige Ansehen zu verschaffen. Auf dem Gemeindegebiet, das
432 ha umfasst, leben heute in Interlaken ca. 5500 Einwohner.
Das Gemeindewappen (Auszug
aus dem Protokoll des Gemeinderates vom 27.2./17.4.1945)
Die kantonale Wappenkommission beabsichtigt, unser
Gemeindewappen dem Regierungsrat zurAufnahme in das amtliche Wappenregister zu empfehlen.
Dasselbe entspreche dem Wappen für den Amtsbezirk Interlaken. Die Beschreibung laute:
"In Silber ein schwarzer halber Steinbock." Das Wappen müsse genehmigt sein.
Für die Beschreibung eines bisher von der Gemeinde geführten Wappens genüge ein
Beschluss des Gemeinderates.
Es konnt nicht festgestellt werden und ist nicht
bekannt, dass über das Gemeindewappen von Interlaken ein Beschluss durch eine Behörde
gefasst wurde, oder eine, von der obigen Beschreibung abweichende Darstellung, besteht.
Das Gemeindewappen nach dieser Beschreibung besteht schon seit Gedenken und ist
unbestritten. Der Gemeinderat beschliesst deshalb, das bisherige Gemeindewappen
unverändert beizubehalten. Die uns unterbreitete Beschreibung dagegen wird mit dem Wort
"aufrechtstehender" ergänzt und lautet somit: "In Silber ein halber
aufrechtstehender Steinbock." Die bildliche Darstellung des Wappens ist die folgende:
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Der Präsident der Berner Wappenkommission
teilt mit Brief vom 6. April 1945 mit, dass die von uns verlangte Ergänzung in der
Beschreibung unseres Gemeindewappens nicht gutgeheissen werden könne. Es sei
überflüssig das Wort "aufrechtstehender" beizufügen. Dem Regierungsrat werde
die Bezeichnung "In Silber ein halber schwarzer Steinbock" zur Genehmigung
unterbreitet. Der Gemeinderat schliesst sich dieser Bezeichnung an. Der Beschluss vom 27.
Februar 1945 gilt in diesem Sinne als abgeändert. |
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